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Typographie
und Architektur______ |
ein Exkurs |
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Der Besucher konnte das Bildmaterial nicht mit einem Blick erfassen. Die räumliche Staffelung wirkte wie eine filmische Montage im Realraum; die Bewegung des Besuchers wurde zum "Projektor", der die Sequenz ablaufen ließ. Autonomie und Souveränität haben im Film eine ganz besondere Resonanz gesellschaftliche Vorgänge abzubilden. Es ist die Geschichte der Sequenz - als eigenständige Sprache. In der "filmischen Logik" Moholy-Nagys ist die Sequenz das Werkzeug, um Zeit und Bewegung in die statische Fläche zu bringen. Während ein Einzelbild verharrt, zwingt die Sequenz das Auge zu einer gerichteten Abfolge, die eine autonome Erzählung bildet – analog zum Filmschnitt.
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Architektur als typokinetisches Signal transzendiert die statische Schutzfunktion und wandelt Gebäude durch den Perspektivwechsel des Betrachters in lesbare, dynamische Zeichen im Raum. Historische Artefakte, von Steingrubers Buchstaben-Palästen (1773) bis zu Lissitzkys Raum-Typografie (1923), vollzieht sich die evolutionäre Transformation von Bauwerken in Informationsträger. Typokinetik befreit die Form von der Statik, indem sie Beton in Botschaft verwandelt und den Stadtplan als lebendiges Manuskript der Moderne interpretiert. |
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